Related Reviews
Pizzicato
Supersonic Award: 'The English Renaissance composer Christopher Tye was known for his capricious character, which can also be observed here and there in his sometimes perky music. Phantasm’s performances are highly enjoyable, nuanced, fresh and playful.'
more >>
BBC Music Magazine
4½ Stars
'...the consort's percussive energy brings a contemporary feel to proceedings and the result, beautifully recorded in Boxgrove Priory, turns out to be very convincing.'
more >>
Stretto
'Phantasm plays this endless energetic music, full of rhythmic articulations and provocative harmonies, in a more than gorgeous way.'
more >>
De Volkskrant
4 Stars
'Phantasm is paradise for early music nerds…'
more >>
All Music
4½ Stars
'Phantasm demonstrates that Tye was capable, assured, and even daring in his contrapuntal invention...'
more >>
Gramophone
'This collection of his complete consort music throws up surprise after surprise – a revelation of a recording that offers a startling perspective on a familiar musical landscape.'
more >>
Presto Classical
Editor's Choice: '...vibrant, full-blooded performances - the music really dances...'
more >>
BBC Radio 3 'Record Review'
'It’s hard to imagine Tye’s complexities and idiosyncrasies being laid before us by a viol consort with more beauty than this...'
more >>
Financial Times
4 Stars
'Sometimes plangent, often ebulliently uplifting, these are ever unpredictable pieces...all are exquisitely played by Phantasm...'
more >>
The Guardian
4 Stars
'...what strikes me about this recording is its suaveness, its evenness, its consistent beauty.'
more >>

Phantasm - Tye - Musikansich


10 November 2017
Musikansich
Georg Henkel
4 Stars

MANDALAS FÜR GAMBENCONSORT

Nur eine CD mit knapp 70 Minuten Spielzeit ist nötig für die gesamte (erhaltene) Consort-Music von Christopher Tye, einem englischen Komponisten des 16. Jahrhundert. Doch die 31 Stücke, die das Gambenensemble Phantasm darauf versammelt hat, sind hochkonzentrierte Minaturen, aus denen ein ebenso exzentrischer wie selbstbewusster musikalischer Geist spricht.

Titel wie "Trust", "Follow me!", "Believe me" können als Ausdruck religiöser Inbrunst gedeutet werden. Oder als Versicherungen an die Ausführenden, den Noten zu trauen und einfach zu spielen, was auf dem Papier regelwidrig und verworren aussehen mag. Die für Tyes Zeitgnossen mitunter bizarre Stimmführung, eigenwilligen harmonischen Fortschreitungen und motivischen Extravaganzen nehmen sich für heutige Ohren freilich recht moderat aus: Sie verbreiten zumindest in der Einspielung von Phantasm überwiegend reinsten Wohlklang und, bei aller immer wieder aufleuchtenden Virtuosität, oft eine herbstliche Melancholie.

Bereits der delikat ausbalancierte Gambenklang von Phantasm verrät, dass es sich um altermeistliche Musik handelt. Man wandelt durch eine Galerie voller kompositorischer Kabinettstückchen, die sich als kunstvoll verschlungene, vielstimmige "Instrumental-Mandalas" an Kenner und Liebhaber gleichermaßen richten. Weil Tye, einer Mode seiner Zeit folgende, die Mehrheit seiner Consort-Stücke auf den berühmten In-Nomine-Part aus dem Benedictus einer Messe von John Taverner komponiert hat, bedarf es bei all diesen Variationen eines immer wieder frischen, aufmerksamen Hörens, das die immer wieder neuen subtilen Verwandlungen und Nuancierungen wahrnimmt.

Das Ensemble Phantasm präsentiert uns Tyes Musik durch seinen subtil virtuosen Zugriff, seine überlegte Gesamtdramaturgie und das Gespür für den großen Bogen ebenso wie das kleine Detail von seiner schönsten Seite. Ob damit die Musik in all ihren Dimensionen ausgeschöpft wird und die Eigenwilligkeiten vielleicht nicht doch etwas zu sehr durch ein eher "klassisches" Interpretations-Ideal geglättet werden, ist die Frage. Vielleicht wäre für den Manieristen Tye eine rein vokale Darbietung die passende Lösung. Das leicht höhenbetonte Klangbild ist kammermusikalisch intim und zugleich warm und ausgewogen. Besondere Erwähnung verdient noch das umfassende Booklet mit tiefgehenden Erläuterungen von Laurence Dreyfus, der als Spieler an der Sopran-Gambe und Leiter des Ensembles auch für die interpretatorische Seite verantwortlich zeichnet.


Bookmark and Share


Related Links

PhantasmPhantasm
Tye: Complete Consort MusicTye: Complete Consort Music