Cecilia Bartoli - Mission - Pizzicato


01 November 2012
Pizzicato

Es ist unwahrscheinlich, dass je eine Klassik-Produktion mit einem derartigen Marketing-Aufwand auf den Markt gebracht wurde wie Cecelia Bartolis ‘Mission'. Doch das alles interessiert den kritischen Hörer nicht (zum Drumherum verweisen wir auf das Interview mit der Bartoli in diesem Heft). An dieser Stelle interessiert allein die Musik von Agostino Steffani, einem gewiss zu Unrecht vernachlässigten italienischen Komponisten. Es gibt tatsächlich einige wunderbare Arien in diesem Programm, das von der Sängerin und ihren Mitarbeitern ausgegraben wurde. Und einiges wird auch ganz hübsch und manches sogar bewegend gesungen. Besonders die Arien mit Philippe Jaroussky gehören dazu. Mir scheint, als habe Cecelia Bartolis Stimme gerade in ruhigen Passagen noch an Darstellungskraft gewonnen, denn der Grad der Verinnerlichung ist hier besonders hoch. Sie färbt solche Stellen in einen silbernen Samtglanz, der ungemein reizvoll ist. Die Koloraturen tragen freilich unverändert das bekannte Markenzeichen Bartoli: sie werden von dieser seltsamen, aus den Schultern und dem Hals kommenden Technik produziert, die es nur bei ihr gibt.

Dass sich die Sängerin mit ihren Rollen nicht identifizieren würde, war nicht zu befürchten. Sie schlüpft ganzheitlich in die gesungenen Figuren und erweckt sie zu einem ganz tollen musikalischen Leben. Diese Kunst der Differenzierung, der theatralischen und affektbetonten Darstellung ist eines der herausragenden Merkmale dieser CD. Und ihr ist es auch zu verdanken, dass das Programm mit 25 Nummern und einer Dauer von über 80 Minuten nie monoton oder repetitiv wirkt. Dazu haben freilich auch die ‘Barocchisti' und Diego Fasolis ihren Teil beigetragen.


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