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Lesley Schatzberger and Fitzwilliam String Quartet - Brahms Clarinet Quintet - Ensemble (German)


07 May 2007
Ensemble
Diether Steppuhn
5 Stars

Repertoirewert: * * * * *
Klang: * * * * *
Interpretation: * * * * *

Brauchen wir noch eine neue Aufnahme des Klarinettenquintetts von Johannes Brahms? Ja, denn diese unterschiedet sich von allem, was derzeit an Konkurrenz auf dem Markt ist.  Lesley Schatzberger spielt einie originalgetreue Buchsbaumkopie der Ottensteiner-Klarinette Richard Mühlfelds, der für Brahms wurde, was Stadler für Mozart und Baermann für Weber war: Inspirator für herrliche Klarinettenkompositionen.  Zudem vertieften sich die Fitzwilliam-Streicher in 60 Jahre alte Aufnahmen des Werks mit Frederick Thurston, Reginald Kell und Charles Draper une fragten sich: Wo sind heute das Feuer, die Leidenschaft, die Wildheit, die Ausdrucksextreme dieser Einspielungen?  War Brahms mit 58 Jahren wirklich schon ein abgeklärt illusionsler, müder alter Mann?  Wie konnte dann ein junger Mühlfeld ihn dazu bringen, dass er so leidenschaftliches komponierte wie sine Klarinettenwerke?  Solch starke Emotionen mit allen musikalischen Mitteln, das wollten die Fitzwilliams mit Lesley Schatzberger wiederholen.  Und diese "neue" Darstellung auf historischen Instrumenten gelingt überwältigend: jung und übermütig, wild und wieder verträumt, hin- und hergerissen zwischen himmelhoch jauchzend und zum Tode betrübt, plötzlich innehaltend und dann wieder unvermittelt vorwärtsstürmend, sich in mitreißender emotionaler Vielfalt zwischen Gefühlextremen bewegend, und das in allen vier Sätzen.  Die Klarinette klagt und jubelt, sie erstirbt und ersteht wieder zu neuem Leben, die Streicher stürzen sich auf die Noten und verglühen im Pianissimo des Taumels - hier wird mit der ehrfurchtsvollen Distanz zu einem altersverklärten Werk aufgeräumt: Nichts mehr von beschaulichem Lebensabend, von idealisiertem Schwelgen in nostalgischem Schönspiel, von Abendstimmung und Abgeklärtheit einer Seele, die Vollendung und Überhöhung sucht.

Die drei Füller der CD sind Sahnestückchen: Ein von Duncan Druce überzeugend ergänzter Mozart-Fragment-Satz, hier auf einer Bassetklarinette interpretiert, der "Orientalische Traum" des 21-jährigen Glazunow, eine ohrenschmeichlerishe Musikperle, schließlich "Der junge Morgen", eine Naturbetrachtung des 1950 geborenen William Sweeney, in der die Bassetklarinette 12 Minuten lang auf einem fast gleichbleibenden, kaum hörbaren Ostinato Klangteppich der Streicher ihr Morgenbegrüßungslied singt und dabei zwei Vogelstimmen einander zuzwitschern, trillern, schmettern, sich überschlagend jauchzen und zu intimer Stille ersterbend verklingen lässt - Lesley Schatzberger vermittelt ein beglückendes Klangerlebnis...

Eine in samtener Mehrkanalräumlichkeit - die Klarinette ist geschwisterlich in den Streicherklang eingebettet-wunderschöne und enentbehrliche Aufnahme!


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