Bach Mass in B Minor - Dunedin Consort - Toccata-Alte Musik Aktuell

βMein wärmster Dank gebührt Joshua Rifkin, nicht nur für seine Edition, sondern für seine noch immer aufregende Diskussion vieler der Streitfragen, die oben erhoben wurden", beendet John Butt seine Ausführungen zu Bachs Messe h-moll BWV 232 mit den Dunedin Consort Et Players.  Für die Einspielung der Doppel-CD bei Linn Records hatte man auf Joshua Rifkins neue Edition der h-moll messe aus dem Jahr 2006 beim Verlag Breitkopf & Härtel zurückgegriffen.

In den frühen 1980er Jahren war diese Messe das Schlüsselwerk gewesen, das Joshua Rifkin dafür benutzte um seine revolutionierende Theorie vorzustellen, Bach Vokalwerk sei grundsätzlich solistisch zu besetzen.  Es war zunächst die Theorie und schlieβlich der Beweis der solistischen Aufführungspraxis bei Bach, das Wechselspiel zwischen Solisten und bestenfalls einem Ripienisten.  Und ich kann mich noch gut an die daraufhin losbrechende Diskussion, die bis zur Diffamierung Joshua Rifkins ging, erinnern.  Seien Sie versichert, liebe Leserin, lieber Leser, dass das teilweise beleidigende Verhalten Joshua Rifkin gegenüber noch bis vor wenige Jahre angehalten hat.  Auch das musste ich leider persönlich erleben.

Es war ein unerhörter Skandal, ein Sakrileg gewesen, als Joshua Rifkin das Modell der solistischen Aufführungspraxis vorlegte.  Das hat ihn diskreditiert und ihm viele Türen verschlossen; er ist mehr Opfer denn Sieger.  Und so ist es ein besonderes Vergnügen, wenn hier zum allerersten Male eine Gruppe Joashua Rifkins gar nicht einmal so neue (2006) Edition von Johann Sebastian Bachs h-moll Messe konzertant aufführt und einspielt.

Die Ausführenden sind hier, und nun kann man die wenigen Namen sogar nennen, im Prinzipal, also den Solisten, Susan Hamilton (Sopran 1), Cecilia Osmond (Sopran 2), Margot Oitzinger (Alt), Thomas Hobbs (Tenor) und Matthew Brook (Bass).  Unterstützt werden diese von den Ripienisten Nicola Corbishley (Sopran 1), Katie Trethewey (Sopran 2), Annemieke Cantor (Alt), Christopher Watson (Altus) und Christopher Adams (Bass).  Die letzten drei Genannten fungieren ebenfalls als Solisten bei einigen Stücken.  Das Orchester setzt sich zusammen aus dem Konzertmeister Simon Jones, Sarah Bevan-Bake (1. Violine), Bjarte Eike, Ruth Slater (2. Violine), Jane Rodgers (Viola), David Watkin (Cello), William Hunt (Violone), Katy Bircher, Graham O'Sullivan (Flöte), Patrick Beaugiraud, Yann Miriel, Frances Norbury (Oboe), Ursula Leveaux, Peter Whelan (Fagott), Anneke Scott (Horn), Paul Sharp, Simond Mundy, John Hutchins (Trompete), Alan Emslie (Pauken) und Neil Metclafe (Orgel).

Ein überschaubare Anzahl von Instrumentalisten und Vokalisten eröffnet ein Feuerwerk an Klangfarben.  Die Tempi sind einfach göttlich, Bach wird frech, wild und umwerfend gut.  Wie groβartig seine Komposition, seine Musik ist, das zeigt sich, wenn man sie so spielen, so interpretieren kann wie hier!

01 December 2010