Karen Cargill - Mahler: Lieder - Fono Forum

Gattin und Gatte

Komponierende Frauen sind heute eine Selbstverständlichkeit. Alma Mahler hatte zu ihrer Zeit doppeltes Pech, musste sie sich doch zusätzlich neben einem hochgeachteten Gatten behaupten. Der aber sah sie nur an Hof und Herd. Alma, geborene Schindler, deren erotisch ausschweifendes Leben ein eigenes, hier nicht zu diskutierendes Kapitel darstellt, hat sich vor allem auf dem Gebiet des Liedes hervorgetan. Andere Werke, so eine lediglich angefangene Oper, sind verloren gegangen, wurden von Alma Mahler möglicherweise sogar eigenhändig vernichtet. Auf die Nachwelt überkommen sind im Wesentlichen drei Liedgruppen, welche ab 1901 entstanden. Zwei einzelne Titel wurden 2000 posthum veröffentlicht.

Alma Mahlers Stil setzt sich von dem ihres Gatten ab, man spürt eher Zemlinsky und frühen Schönberg. Aber es handelt sich um eigenständige, wirkungskräftige, tieflotende Musik, welche durchaus Eingang ins Repertoire finden sollte. Für die erste Gruppe von fünf Gesängen setzt sich die schottische Mezzosopranistin Karen Cargill ein, mit textlicher Akkuratesse und erfülltem Ausdruck. Als sensibler Begleiter fungiert Simon Lepper.

Auch die Interpretationen der Rückert- und Gesellenlieder von Gustav Mahler besitzen individuelle Qualität, können vor großer Konkurrenz bestehen. Nur gelegentlich gerät die vollmundige, leicht opernhaft getönte Stimme Karen Cargills in leichtes Flackern. Ansonsten wird die Dynamik zwischen Piano (,,Ich atmet' einen linden Duft") und Porte (,,Ich hab' ein glühend Messer") differenziert ausgereizt, atmosphärische Wechsel stimmig eingefangen . Kleiner Textfehler in „Die zwei blauen Augen". Da singt Karen Cargill „Auf der Straße stand ein Lindenbaum". Kaum der Rede wert.

Fono Forum
01 November 2014