KUNIKO - Reich: Drumming - HighResMac

“Es zu hören war mir ein bemerkenswertes Vergnügen.” Das sagt Steve Reich über das jüngste Album der japanischen Perkussionistin Kuniko Kato, kurz KUNIKO. Der Titel des Albums: Reich: Drumming. Seine Besonderheit: Kuniko spielt, singt und pfeift alle Stimmen, Trommeln, Mallets, Töne selbst. Wie das geht? Dank Overdub.

Das Verfahren hat Kuniko schon einmal angewendet: Bei Kuniko Plays Reich, ihrem Album von 2011. Schon damals mimte die japanische Ausnahme-Percussionistin jeden Mit-Spieler selber und nahm deren Stimmen eine nach der anderen auf, indem sie über die schon eingespielten Spuren weitere legte, bis sämtliche Noten vertont waren.

Nun also Drumming. Reich hat seine Komposition in vier Teile gegliedert, die nahtlos aneinander gefügt zu spielen sind, als ein fortlaufendes akustisches Erlebnis mit wechselndem Klang-Charakter:

Teil 1 ist für vier Paar gestimmter Bongos geschrieben, die mit Stöcken gespielt werden.
Teil 2 komponierte Reich für drei Marimbas, die von sechs Spielern geschlagen werden, während sie zwei Frauenstimmen begleiten.
Teil 3 spielen vier Personen auf drei Glockenspielen, während dazu gepfiffen und Piccolo-Flöte gespielt wird.
Und Teil 4 bestreiten alle Instrumente, Stimmen und Personen zusammen.

Was das bei Kuniko bedeutet? Sie spielt und sing alles. Sie allein. Immer. Zum Glück ist Drumming die längste Komposition, die Reich geschrieben hat, je nach Wiederholungen dauert sie zwischen 55 und 75 Minuten. Kuniko bietet auf den Punkt 70 Minuten Minimal Music. Und wie sie das tut!

Fast scheint es, als sei Kuniko die natürliche Klang-Umsetzung der Kompositionen Reichs auf dem Papier. Nicht nur, dass ihr Spiel präzise ist und sie die sich stetig nur gering verändernden (Ab)Läufe wunderbar sauber umsetzt. Sie ist dabei auch noch hoch musikalisch! Alles fließt natürlich umeinander, ineinander, miteinander.

Besonders die weniger perkussiven Teile mit Marimba und Glockenspiel mit den menschlichen Zutaten Stimme und Pfeifen sind geradezu zauberhaft in ihrer Ausstrahlung und lassen mit dem Zuhörer tatsächlich geschehen, was Reich mit seiner Musik bezweckte: Nicht nur lauschen oder analysieren, sondern sich in einer bestrickenden Klangwelt verlieren können.

Kuniko hat diesen Zauber jetzt mit ihrem Massen-Solo veredelt. ?????! (Glückwunsch!)

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