Robin Ticciati & DSO - Debussy & Faure - Taz

Jung und scharf

All eyes on Robin!

Wer sich gewundert haben sollte, wozu Berlin so viele Orchester braucht, kann sich mit dieser neuen Auf- nahme davon überzeugen, dass das schon in Ordnung ist. Dass es etwa das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) gibt. Das hat unter seinem soeben angetretenen neuen Chefdirigen- ten Robin Ticciati eine Einspielung mit Musik der Franzosen Gabriel Fauré und Claude Debussy vorgelegt, Zeitgenossen, die auch in persönlichen Beziehungen auf verwickelte Weise verbunden waren. Faurés Bühnenmusik zu Maurice Maeterlincks Tragödie „Pelléas et Mélisande“ kombiniert dunkle Klänge, elegante Leich- tigkeit und Drama. Klappt bei dem 34-jährigen Ticciati alles bestens. Mit Debussys „Ariettes oubliées“ hat er sich dann ein Übergangswerk des Impressio- nisten vorgenommen, die Vertonung von sechs Gedichten Paul Verlaines, hier in orchestrierter Fassung zu hören. Debussy klingt zwar noch ein bisschen wie ein Romantiker, allerdings einer mit klarer, luftiger Stimme. Auch das lässt sich bei Ticciati mühelos nachvollziehen. Schwulst kennt er keinen, dafür Transparenz mit Spannung. Der Publikumsliebling des Albums ist dann Debussys „La mer“. Rund zwanzig Jahre nach den „Ariettes“ hat der Impressionist längst zu seiner Tonsprache gefunden. Die aufwühlenden Streicherwogen könnten Zweifel an der Zuordnung zum Impressionismus hervorrufen, das soll aber nicht weiter stören. Wie Ticciati auch in diesem wuchtigen Orchestersatz die Durchsicht auf die Stimmen gewährt, ohne darüber die immense Wasserkraftenergie aus dem Blick zu verlieren, geht schwer in Ordnung.

Taz