Robin Ticciati & DSO - Ravel & Duparc: Aimer et mourir - Fono Forum

Musik: 4.5 stars

Klang: 5 stars

Unter seinem neuen Chefdirigenten Robin Ticciati nimmt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin einen erfreulichen, wenn auch keinen epochalen Aufschwung. Wie auch?! Mit den Vorgängern (von Ferenc Fricsay bis Tugan Sokhiev) war man stets vorzüglich bedient. Die CD-Tätigkeit indes scheint neu in Gang zu kommen. Dies ist schon das zweite Album, für das sich Ticciati erneut für bekannteres französisches Repertoire entschieden hat.

Zum hellen Transparenzideal, wie es das DSO stets pflegte, passt das ausgezeichnet. Vielleicht zu sehr, sofern es um neue Reibungsflächen geht. Da jedoch Ticciati in seinem Jahr in Berlin den Klan ungemein erwärmt und die dunklen, früher eher aschigen Untergründe sinnlich versamtet hat, entfaltet die „Daphnis et Chloé“ -Suite Nr. 2 sofort mediterranes Flair und milde Winde. Man staunt.

Auch die „Valses nobles et sentimentales“ profitieren von den auf Atmosphäre und Zierrat zielenden Vorlieben Ticciatis. Sie könnten altmodisch erscheinen, wären sie nicht handwerklich lupenrein umgesetzt. Die Deutung ist - deliziös. Auch dann noch, wenn sich der Repertoirewert der CD nicht mit den Brahms- und Schumann-Aufnahmen messen kann, mit denen Ticciati zuvor beim Scottish Chamber Orchestra für enormes Aufsehen sorgte.

Die Wahl vier bekannter Lieder von Henri Duparc (von ihm selber orchestriert) verdankt sich ersichtlich dem Wunsch, für Magdalena Kožená etwas aufs Programm zu setzen. Vorbildlich lässt sich die tschechische Mezzo-Sopranistin auf die Texte ein (von Baudelaire Gautier etc.). Der melancholische Flor, in den sie die Werke wandet, bleibt eigen, aber stilistisch ansprechend. Schließlich wird noch das unbekannte Poème nocturne „Aux étoiles“ mitgereicht. Mag sein, dass Ticciati eine Spur hinter den hohen Erwartungen zurückbleibt, die man an ihn stellt. Beim Orchesterklang indes hat er schon jetzt Erstaunliches bewirkt.

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