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Robin Ticciati & DSO - Ravel & Duparc: Aimer et mourir - Taz

Mit Robin Ticciati hat Berlin einen Neuzugang unter den Dirigenten, der zunächst einmal von seiner Erscheinung her – jung, probierfreudig – für Aufmerksamkeit sorgt und des Weiteren am Dirigentenpult überzeugt. Zu hören auf seiner schon zweiten CD in diesem Jahr als Chefdirigent des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin.Wie im Frühjahr sind es wieder Franzosen, mit denen der 35-Jährige brilliert. Nach Claude Debussy und Gabriel Fauré hat er sich jetzt Maurice Ravel und Henri Duparc ausgesucht. Ravels „Daphnis et Chloé Suite No. 2“ und die „Valses nobles et sentimentales“ nutzt Ticciati, um sich als Klangmaler zu empfehlen, bei dem jede Nuance präzise gesetzt ist. Und die vielen sorgsam gearbeiteten Details zerfallen ihm darüber nicht, sondern nehmen Fahrt auf, entwickeln Kraft, strahlen, funkeln, sprühen – man kann sich kaum satthören. Vom ein paar Jahrzehnte älteren Duparc hat Ticciati Orchesterlieder hinzugenommen, die stärker in der romantischen Tradition stehen als Ravels Musik, zugleich einige Nähe zu dessen „Impressionismus“ zeigen. Auch bei Duparc ist das Orchester farbenfroh, und die Melodien haben diese französische Leichtigkeit, von der die Kollegen in Deutschland nur träumen konnten – oder eben nichts hören wollten. So unaufdringlich expressiv, wie sie die Mezzosopranistin Magdalena Kozena singt, möchte man das aber doch sehr gern hören. Ein Werk für Gesangsstimme und Orchester hat sich auch Kent Nagano für seine jüngste Einspielung mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin vorgenommen, wenn auch ein aktuelleres: Wolfgang Rihms „Das Gehege. Eine nächtliche Szene für Sopran & Orchester“ von 2005. Textgrundlage ist die Schlussszene aus Botho Strauß’ Stück „Schlusschor“. In der Diktion der Sopranistin Rayanne Dupuis ist recht viel von den Worten zu verstehen, gleichwohl hat man den Eindruck, halbbewusst durch einen Traum zu gleiten, Was zu einem gut Teil an Rihms mitunter spätromantisch anmutender Ausmalung liegt. Sehr suggestiv und auf innovative Art altmodisch.

Taz
13 December 2018