Vaughan Williams - On Wenlock Edge - Pizzicato

Gleich die ersten Takte der Musik von Vaughan Williams' herrlichem Liederzyklus ‘On Wenlock Edge' packen einen, und das Gabanntsein hält siebzig Minuten lang an, auch in ‘The Curlew' von Peter Warlock, ‘Elegiac Sonnet' von Arthur Bliss und dem Zyklus ‘Ludlow & Teme' von Ivor Gurney. Warum diese Komponisten auf der Frontseite der Schallplatte nicht aufgeführt werden, ist rätselhaft und verdient Kritik am Verleger, die wir aber angesichts der Qualität der CD nicht auf die Produktion an sich abwälzen wollen, denn das heiße den Interpreten Unrecht tun.

Es ist in der Tat eine ganz außergewöhnliche SACD. Da ist zunächst das Programm, das nicht überall das seltene Niveau von ‘On Wenlock Edge' hat, aber durchwegs doch sehr anspruchsvoll und interessant ist. Und dann sind da der Gesang und die Interpretation von James Gilchrist, der die Welten der vier Komponisten und ihrer Dichter mit größtem Engagement, größmöglicher Inspiration und emotionaler Beteiligung erkundet und uns, wie gesagt, mit seinem Gesang in den Bann der Musik zieht. Dabei wird er von den ihn begleitendren Instrumentalisten derart kongenial begleitet, dass man von einem optimalen Zusammenwirken sprechen kann.

Doch kommen wir noch einmal auf Gilchrist zu sprechen: Dieser Sänger hat etwas, was vielen anderen fehlt: Er hat einen sicheren Klanginstinkt und er kann seine Stimme extensiv dynamisch variieren. Er ist ein ganz exzellenter Sänger, der seine vielen Ausdrucksmittel, darunter ein sicheres Piano-Singen, endrucksvoll einsetzt, immer im Dienste der Musik, immer sehr persönlich, immer sehr tiefschürfend und unmittelbar ansprechend.

Für mich ist dies eine der schönsten Lied-Platten der letzten Monate!

01 November 2007