Cappella Nova - Alpha & Omega - Klassik.com

Interpretation: 4/5

Recording quality: 5/5 

Das Vokalensemble Capella Nova fühlt sich der traditionsverwurzelten, aber gleichzeitig neue Räume erschließenden sakralen Chormusik von James MacMillan offenbar stark verbunden. Das Ergebnis ist angemessen raumgreifend.

Es ist erfrischend zu sehen, wie ein Komponist und Dirigent wie James MacMillan kritisch und ohne Selbsteitelkeit die Musikgeschichte seiner Zeit sieht. Der 1959 geborene schottische Komponist, der längst zu den wichtigsten britischen Tonschöpfern seiner Zeit gehört, kann durch seine Neugierde wie auch seine Erdverbundenheit überzeugen. Beim dem tief gläubigen Katholiken sind musikalische Ereignisse nie Selbstzweck, sondern fast immer bekenntnishaft. Der schottische Kammerchor Cappella Nova und seine Gründer Alan und Rebecca Tavener sind MacMillans geistlicher Musik kongeniale Partner.

Ob die 2011 für die Kathedrale von Durham entstandene 'Missa Dunelmi' oder unterschiedliche A-Cappella-Chorsätze in lateinischer oder englischer Sprache – überall haben wir hier im Grunde zeitlose musikalische Leistungen, die gleichzeitig in der Tradition wurzeln und im besten Sinne modern sind. MacMillan weiß für Chöre zu schreiben, ist ein Meister der Textausdeutung, ein kluger Poet (herausragend die 'Invocation'), ein charismatischer Harmoniker, der aber teilweise Arvo Pärt, John Tavener und anderen nicht fernsteht ('Alpha & Omega', in noch übertriebenerem Maße gar in 'Domine non secundum peccata nostra' mit Violinsolo, von Madeleine Mitchell mit Verve beigesteuert).

Seine hier eingespielten Werke sind hier überdies auf die kirchliche Klangästhetik, den inhärenten Nachhall ausgerichtet. Der Aufnahmeort der Church of the Holy Rude in Stirling schafft gleichzeitig Inspiration und Verbundenheit, und die Cappella Nova fühlt sich hörbar in dieser Akustik wohl. Die SACD-Aufnahmetechnik fängt die dankbaren Kompositionen (etwa das komplizierte ‚fiat mihi‘, aber auch das traditionsgebundene 'Cum vidisset Jesus') absolut vorbildlich ein.

Leider lässt das opulente Booklet den Hörer bezüglich Details zur Werkentstehung zutiefst im Stich (überhaupt ist es ausgesprochen wenig zahlenlastig – selbst MacMillans Geburtsjahr wird verschwiegen) – und man darf auch fragen, warum eine derart stark in Schottland (und Nordengland) verortete Musik zur Bookletillustration Fotos der Elisabethkirche in Marburg benötigt. So passen leider äußere Gestaltung und innerer Gehalt nicht ganz zusammen – aber wenn der innere Gehalt so überzeugend ist wie hier, führt das nicht zu übertriebenem Punktabzug.

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