Robin Ticciati & DSO - Ravel & Duparc: Aimer et mourir - BR Klassik

Der 35-jährige Robin Ticciati ist ein Sympathieträger für die Klassik – der charismatische Lockenkopf aus London schafft es spielend, Musiker und Publikum für sich zu gewinnen. Seit 2017 sorgt Ticciati als Chefdirigent beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin für frischen Wind. Nun haben die Musiker ihre zweite gemeinsame CD herausgebracht – wieder präsentiert Ticciati bekanntes und weniger bekanntes Repertoire aus Frankreich, und wieder ist die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená dabei.

DER CD-TIPP ZUM ANHÖREN
Robin Ticciati hat ein feines Ohr für den französischen Impressionismus: Ohne Pomp lässt er die gleißenden Orchesterfarben in Maurice Ravels Ballett "Daphnis et Chloé" funkeln. Um dann wieder feinste kammermusikalische Nuancen in diesem musikalischen Fresko herauszuarbeiten. Zärtlich wirbt die Flöte des Hirtengottes Pan um die Nymphe Syrinx.

MAGDALENA KOŽENÁ - DIE IDEALE BESETZUNG
Nicht nur in den verträumten Bläsersoli zeigen die Mitglieder des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, wie sensibel und motiviert sie Ticciatis Impulse aufgreifen. Der kombiniert hier Ravel mit dem süßen Gift der Décadence: mit morbiden Liebesliedern von Henri Duparc. Magdalena Kožená ist die ideale Interpretin für die exquisiten Klangschattierungen Duparcs. Manchmal gibt sich Duparc dem Wagner-Rausch hin, dem auch die Franzosen verfallen waren – in solchen ekstatischen Momenten blüht Magdalena Koženás Timbre leidenschaftlich auf. Ein Traum, diese Duparc-Lieder. Gänsehaut bekommt man auch bei Ravels "Valses nobles et sentimentales". Ticciati reizt die stilistische Bandbreite dieser Walzerfolge zwischen Schubert, Weber, Chopin und Johann Strauß elegant aus.

TICCIATI, EIN TÄNZER AM PULT
Ticciati ist ein Tänzer am Pult, lustvoll betont er die rhythmischen Pointen in Ravels raffinierter Walzer-Melange. Mal schmissig, mal graziös – immer animiert Ticciati seine Musiker zu klangsinnlichem Spiel. Den flüchtigen Charme mancher Walzer kehrt Ticciati ebenso heraus wie die melancholische Grundhaltung Ravels. Mit kühlem Sinn spitzt Ticciati bedrohliche Entwicklungen zu – und schon zeichnet sich in der Ferne die totale Walzer-Demontage in Ravels "La Valse" ab.

 

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