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Royal Academy of Music Soloists Ensemble & Trevor Pinnock - Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen - Stuttgarter Zeitung

Spätromantisches

Kammermusik Trevor Pinnock dirigiert Bearbeitungen von Mahler undanderen Komponisten aus dem Schönberg-Kreis.

Der von Arnold Schönberg 1918 gegründete Verein für musikalische Privataufführungen hatte zum Ziel, musikalische Novitäten bekannt zu machen und das Publikum für die teils radikalen Neuerungen bereit zu machen. Zu diesem Zweck wurden Kammermusikstücke komponiert oder sinfonische Werke für kleine Besetzungen arrangiert, etwa Gustav Mahlers „Lüider eines fahrenden Gesellen".

Trevor Pinnock hat diesen Zyklus an den Anfang seiner Aufnahme mit dem Ensemble der Royal Academy of Music gestellt. Technisch brillant realisieren die Musiker die stilistisch so unterschiedlichen Werke. Im Mahler-Zyklus changiertder Klang zwischen anklagender Schärfe, Melancholie und Weltschmerz. Der junge Bariton Gareth Brynmor John fügt sich mitseiner hellen Klangfarbe perfekt in diese Atmosphäre ein, verfärbt gerne die Vokale grell, um die Seelenpein hörbar zu machen.

Einen Kontrast dazu bildet Ferruccio Busonis „Berceuse elegiaque", hier in der Bearbeitung des Schönberg-Schülers Erwin Stein. Trotz des reduzierten Apparats entfaltet sich die dunkle Wehmut dieses Trauerliedes auf sinnliche Art. Trevor Pinnockwahrt hier klug die Balance zwischen Transparenz und Klangverschmelzung.

Ähnliches gilt auch für das Ende dieser rundum begeisternden CD. Richard Wagner war in vielem der natürliche Antipode zum Schönberg-Kreis, doch auch seine Werke wurden analysiert und dienten informaler Hinsicht sowie in Fragen der Instrumentierung als Impulsgeber. Und so verwundert es nicht, dass auch die ursprüngliche Version seines „Siegfried Idylls" für 13 Instrumente auf dieser CD vertreten ist. Kein opulenter, den Hörer überwältigender Klang, aber ein sanftes Schillern prägt dieses Werk. Ergänzt wird das Programm durch die „Sechs Gesänge" von Alexander von Zemlinsky, deren impressionistischen Symbolgehalt die junge Sopranistin Katie Bray trotz unruhiger Stimmführung überzeugend gestaltet. 

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Stuttgarter Zeitung
25 August 2015